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Wie italienisch ist die Pasta in Wirklichkeit? Stammt der American Cheese Cake tatsächlich aus den USA? Die Verbraucher verlangen nach solchen Informationen – und der Europäische Gesetzgeber hat dazu reagiert.

Zahlreiche Lebensmittel werden mit einem geografischen Hinweis, einer Flagge, Abbildungen von bekannten Gebäuden, Persönlichkeiten und Landschaften oder auch mit einem Design in landestypischer Aufmachung angeboten. Denn die Herkunft eines Lebensmittels ist ein Kaufargument. Zudem verbinden Verbraucher mit vielen Ländern und Orten eine bestimmte Qualität. Bekannte Beispiele hierfür sind belgische Pralinen oder italienische Pasta.

Wie alle Informationen über Lebensmittel dürfen auch Herkunftsangaben nicht irreführend sein. Dieses Täuschungsverbot im Verkehr mit Lebensmitteln existiert schon lange. Neu ist, dass der Gesetzgeber vorschreibt, wie die Herkunft eines Lebensmittels und seiner wertbestimmenden Zutat auf der Vorverpackung zu kennzeichnen sind. Die Europäische Lebensmittelinformationsverordnung Nr. 1169/2011 (LMIV) regelt die grundsätzlichen Anforderungen zur Herkunftskennzeichnung. Für die Details wurde die Durchführungsverordnung (EU) 2018/775 veröffentlicht. Dabei gestaltete es sich äussert schwierig, Regelungen zu finden, die die Realität des weltweiten Rohstoffbezugs und die Verbrauchererwartungen zusammenbringen. Am Beispiel der italienischen Pasta lassen sich die neuen Vorgaben erläutern: Der Hinweis auf Italien – zum Beispiel mittels Flagge – weckt beim Verbraucher die Vorstellung, dass die Teigware in Italien hergestellt wurde. Erfolgte die Produktion jedoch in einem anderen Land, muss darüber informiert werden. Gefordert ist dann die Angabe des tatsächlichen Ursprungslands oder Herkunftsorts.

Herkunft primärer Zutaten

Doch damit ist es nicht getan, denn die Verbraucher gehen in der Regel davon aus, dass die wertbestimmende Zutat des Produkts – die sogenannte primäre Zutat – die gleiche Herkunft wie das Produkt hat. In einer Pasta, die in Italien hergestellt wurde, erwarten die Verbraucher Hartweizen aus Italien. Kommt die primäre Zutat woanders her, muss dies zusätzlich angegeben werden.

Regelung der Formulierung

Die neue Verordnung gibt unter anderem die Formulierungen zur Angabe von Ursprungsland oder Herkunftsort einer primären Zutat vor. Neben der Nennung eines Landes oder einer Region sind auch Angaben wie «EU und Nicht-EU» möglich. Und erlaubt ist sogar ein ganz allgemeiner Hinweis wie: «Der Hartweizen stammt nicht aus Italien.» Für Hersteller ist diese Lösung am praktikabelsten, für Verbraucher jedoch wenig informativ.

Die Ausnahmen vom Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 2018/775 zeigen wie schwierig das Thema Herkunftskennzeichnung ist. So sind neben den Gattungsbezeichnungen bis auf Weiteres eingetragene Herkunftsangaben, etwa «Parmigiano Reggiano (g.U.)» und «Wachauer Marillenbrand », von den neuen Regelungen ausgenommen. Das gilt auch für eingetragene Marken, die eine Ursprungsangabe darstellen. Der Gesetzgeber hält hier weitere Prüfungen für erforderlich, bevor entsprechende Regelungen verabschiedet werden. Hersteller und Eigenmarkeninhaber haben bis zum 1. April 2020 Zeit, ihr Sortiment zu prüfen und gegebenenfalls die vorgeschriebenen Herkunftsangaben auf den Vorverpackungen zu ergänzen.

 

INFO

 VO (EU) 2018/775 auf den Punkt gebracht

  1. Die Verordnung betrifft ausschliesslich Lebensmittel. Bedarfsgegenstände, Kosmetika etc. sind nicht betroffen.
  2. Die grundlegenden Vorgaben zur Herkunftskennzeichnung sind in Artikel 26 der LMIV,die Details zur Herkunftsangabe der primären Zutat in der Durchführungsverordnung geregelt.
  3. Von der Verordnung ausgenommen sind Gattungsbezeichnungen, eingetragene Herkunftsangaben und eingetragene Markennamen.
  4. Sind Kennzeichnung und Aufmachung eines Lebensmittels herkunftsneutral gestaltet, greifen die neuen Vorgaben nicht.
  5. Lebensmittel, die vor dem 1. April 2020 in Verkehr gebracht oder gekennzeichnet wurden, können bis zur Erschöpfung der Bestände abverkauft werden. Etikettenbestände dürfen über diesen Termin hinaus nicht abgebaut werden.
  6. Die EU-Kommission erstellt einen Leitfaden zur Anwendung der Verordnung.