Was krabbelt denn da? ONE GLOBE

Was zunächst nur äusserst unangenehm erscheinen mag, kann sich schnell als ein grosses Risiko für die Lebensmittelsicherheit erweisen. Was also tun, damit Mehlmotten oder Schaben und weitere Schädlinge fernbleiben?

Lebensmittelbetriebe bieten vielen Schädlingsarten nahezu paradiesische Lebensräume. Wärme, Feuchtigkeit und vor allem das vielfältige Nahrungsangebot locken von Milben bis Ratten alles an, was nichts in der Nähe von Lebensmitteln zu suchen hat. Gefährdet sind dabei durchweg alle Betriebe vom Rohwarenlieferanten bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel.

Unbrauchbare Lebensmittel

Wenn Schädlinge einmal in den Betrieb gelangt sind, tun sie dort vor allem eins – fressen. Das hat verschiedenste Konsequenzen. Zunächst vernichten sie schlichtweg Ware. Befallene Lebensmittel können sich aber auch verfärben oder muffig riechen, wertvolle Inhaltsstoffe wie Aminosäuren werden abgebaut. Einige Insekten scheiden giftige Substanzen aus, während vor allem Schadnager und Fliegen Krankheitserreger übertragen können.
Überdies kommt es zu einer Verunreinigung durch tote Schädlinge, Gespinste, Haare und dergleichen. Auch wenn ein Befall nicht zwangsläufig zu einer Gesundheitsgefährdung führen muss, sind diese Lebensmittel meist zum Verzehr ungeeignet und damit nicht sicher. Selbst bei keiner erkennbaren Verunreinigung kann ein Schädlingsproblem im Betrieb bedeuten, dass die hergestellten oder verkauften Lebensmittel als ekelerregend und somit nicht sicher zu bewerten sind.

Neben wirtschaftlichen Verlusten durch unbrauchbar gewordene Ware, Kundenreklamationen oder gegebenen- falls erforderlichen Rückrufen kann ein Schädlingsbefall im Extremfall Anlass für eine Betriebsschliessung durch die Lebensmittelüberwachung sein.

Vorbeugen und Bekämpfen

Ein effizientes Schädlingsmanagement ist für Lebensmittelbetriebe jeglicher Art also unerlässlich – und ausserdem durch die Lebensmittelhygieneverordnung der EU (VO (EG) Nr. 852/2004) vorgeschrieben. Auch bei der Zertifizierung durch die International Featured Standards (IFS) und das British Retail Consortium (BRC) wird dies gefordert.
Das Schädlingsmanagement besteht aus Prophylaxe, Monitoring und Bekämpfung. Dabei müssen unterschiedliche Aspekte wie etwa Tierschutz, Toxikologie und Produktschutz berücksichtigt werden. Aus diesen Gründen kann es sinnvoll oder sogar notwendig sein, sich professionelle Unterstützung zu holen.

Gerade die Bekämpfung von Schadnagern mit sogenannten Antikoagulantien, die die Blutgerinnung hemmen (s. Info- Kasten), ist in Deutschland seit Kurzem in bestimmten Fällen nur noch ausgebildeten Schädlingsbekämpfern erlaubt. Die Wirkstoffe wurden hinsichtlich ihrer Toxikologie neu eingestuft. Das betrifft nicht nur die Wirkstoffe selbst, sondern auch die Produkte, die Antikoagulantien enthalten, da die Konzentrationen der Wirkstoffe meist entsprechend hoch sind. Aufgrund von Vorgaben zur Schädlingsbekämpfung, die in der Gefahrstoffverordnung verankert sind, führt diese Neueinstufung letztlich dazu, dass eine befallsunabhängige Dauerbeköderung nur noch durch ausgebildete Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden darf.

Und schliesslich sind es nicht nur Lebensmittelbetriebe, die Gefahr laufen, Opfer eines Schädlingsbefalls zu werden. Je nach verwendeten Rohstoffen ist es zum Beispiel auch in Betrieben, in denen mit kosmetischen Mitteln oder Textilien umgegangen wird, ratsam, ein Schädlingsmanagement zu installieren.

 

INFO

Pro und Contra:

Der Einsatz von Antikoagulantien Antikoagulantien hemmen die Blutgerinnung, sodass die Schadnager einige Tage nach der Aufnahme von Giftködern innerlich oder äusserlich verbluten. Die Wirkstoffe sind zwar effizient, aber in mancher Hinsicht auch problematisch. So können sie sich beispielsweise in der Umwelt anreichern oder indirekt Raubvögel und andere Tiere schädigen, die vergiftete Schadnager fressen. Ausserdem verursachen Antikoagulantien natürlich auch ein gewisses Mass an Tierleid.

Da es jedoch an Wirkstoffen fehlt, die gleichermassen effizient und weniger gefährlich sind, dürfen Antikoagulantien weiterhin verwendet werden, zumal die Schadnagerbekämpfung in Lebensmittelbetrieben aus hygienischen Gründen von grosser Bedeutung ist.

Für die befallsunabhängige Dauerbeköderung sind jedoch nur noch zwei Wirkstoffe zugelassen: Difenacoum und Bromadiolon.